Supplementieren oder nicht???

Diese Frage stelle ich mir - für mich, meine Familie und Freunde sowie für meine Patienten immer wieder. "Der Körper holt sich, was er braucht" - "Meine Großeltern haben auch nicht supplementiert" 

Diese Aussagen höre ich immer wieder - nachdenklich macht es mich trotzdem. 

Ist die Notwendigkeit zu supplementieren wirklich nur eine Idee der Industrie? Sind diese komplementären Heilpraktiker oder Präventionsmediziner, die in ihren Privatpraxen Anamnesen erstellen, Blut abnehmen und Nahrungsergänzungsmittel verordnen oder Infusionen geben, nur clevere "GeldAusDenTaschenZieher"? 

Nun, ich habe Beispiele … die mich zum Schluss bringen, dass Supplemente durchaus sinnvoll sind: 

  1. Wir alle kennen Omega 3. Omega 3 ist gesund, kann Erkrankungen im Herz-Kreislauf-System verhindern (auch wenn gerade eine widersprüchliche Studie publiziert wurde), HDL ist der Liebling der Internisten usw. Automatisch denken wir an den Lachs, wenn wir an Omega 3 denken: fettreiche Fischsorten enthalten viel Omega 3 - eine gute Quelle also. Zweimal in der Woche Lachs - voila - Gefahr gebannt. Reden wir eigentlich über den Wildlachs, der im Norden lebt, wo das Wasser kalt ist und das Wasser noch kälter wird, wenn der Lachs in den tiefen Gewässern nach Plankton und Phytoplankton sucht - ja, stimmt - dann bildet der Lachs ein sehr gutes Fett, welches wir als Omega 3 kennen, damit sein Körper nicht friert. Oder reden wir über den Lachs aus Aquakulturen? Der Lachs wird hier z.B. in Norwegen oder Irland gezüchtet. Der Lachs darf in solchen Aquakulturen nicht ins tiefe Wasser eintauchen (sonst büchst er aus :-)  und er frisst kein Plankton sondern wird gefüttert. Manchmal bekommt er auch Farbe, damit sein Fleisch besser aussieht. Ich glaube, dass es in diesem Fisch nicht weit her ist mit Omega 3. 
  2. Viele von uns kennen auch Resveratrol. Auch bekannt als OPC. Resveratrol aktiviert ein Gen, das Sirtuin - das "Langlebigkeits-Gen". Resveratrol ist zu finden im Rotwein - am besten von Trauben, die vielen Wetterschwankungen ausgesetzt waren. Resveratrol ist selbstverständlich auch nur in Trauben zu finden: 20% in der Haut der Traube, 40% im Fleisch der Weintraube und 40% in den Kernen der Trauben. Nun essen die meisten von uns am liebsten die kernlosen Trauben - die Lebensmittelindustrie hat diese Vorliebe bedient und die Trauben genetisch verändert, so dass man diese kernlosen Trauben kaufen kann. Bedeutet also: mehr Wein trinken - oder 40% mehr Trauben essen … oder doch substituieren??? 
  3. Wir benötigen Selen für viele Vorgänge im Körper. Vor allem ist es bekannt für seine ausgezeichnete antioxidative Wirkung sowie seine segensreiche Fähigkeit, Schwermetalle an sich zu binden. Beide Funktionen schützen die Zellen vor den Angriffen freier Radikale. Außerdem ist es neben Jod DAS Spurenelement für die Schilddrüse. Selen gelangt in die Nahrungskette indem es in anorganischer Form von Pflanzen aus dem Boden aufgenommen und organisch gebunden wird. Die Einschätzung der Versorgungssituation in Deutschland wird in der Literatur nicht einheitlich dargestellt, sie reicht von "Mangelgebiet" bis "gesichert". Es gibt Hinweise, dass in Deutschland etwa 70% der Bevölkerung zu wenig Selen aufnehmen. Verantwortlich für den Selenmangel ist die ausgedehnte Übersäuerung der Böden, die durch die Verwendung sulfathaltiger Düngemittel und durch "sauren Regen" hervor gerufen wird.  

Sie merken, dass wir in unseren Breitengraden, trotz unseres alimentären Überflusses, nicht mehr in der Lage sind, alle wichtigen Nährstoffe zu bekommen, die wir benötigen. 

Supplemente sind sinnvoll - wenn man weiß, was fehlt und sich entsprechend beraten lässt!